Bienen begleiten mich seit meiner Kindheit und die Natur mit all ihren Bewohnern fasziniert mich seit jeher. Trotzdem hatte ich nie vor, Imkerin zu werden. Dann ist dieser eine Sonntagvormittag der für mich die Wende bringt. Ich sitze im Garten unter einem blühenden Apfelbaum mit einem spannenden Buch. Da setzt sich plötzlich eine Biene mitten auf die Seite. Sie ist wohl zum Rasten hier, denn ihre Hinterleibs-Segmente pumpen wie wild. „Hey du Fleißige, musst wohl noch rasten, bevor du heimfliegst“, denke ich kurz und dann erst wird mir die Stille bewusst. Zwar singen die Vögel um die Wette, doch ich sitze unmittelbar unter einem Baum in Vollblüte und höre keine Bienen. Vorsichtig lege ich mein Buch zur Seite und richte gezielt den Blick zum Apfelbaum. „Komisch, den Baum scheint ihr noch nicht entdeckt zu haben“, wundere ich mich kurz. Kurzerhand beschließe ich einen Spaziergang zu machen, der fast zur Detektivarbeit wird und finde nicht das, was ich finden will - Bienenvölker. Daher beginne ich die Gegend regelmäßig genauer durchzukämmen und komme immer mit dem gleichen Ergebnis nach Hause. Außer die Völker von Fanni, die ihre Damen etwa 1km Luftlinie entfernt beheimatet hat - keine Bienenvölker. „Ich beginne zu imkern“, erkläre ich meiner Familie, die mich ungläubig ansehen. Es ist eine Bauchentscheidung, die sich unglaublich gut anfühlt, ohne zu wissen, was das nun tatsächlich bedeutet.
Ja, diese Story klingt etwas im Nachhinein betrachtet poetisch. Für diese Entscheidung ist möglicherweise auch die kindliche Prägung ein Mitgrund, gepaart mit einem generellen Interesse an der Natur. Der ausschlaggebende Entscheidungsgrund ist jedoch der Wunsch nach einer guten Bestäubung für all unsere bewirtschafteten Flächen. „Ich brauche auch nur 2 Völker, Bestäubung und dann als draufgabe noch Honig - was braucht es mehr?“ Und mit wie vielen Völkern startet dann die liebe Gabriele? Mit 5! Das hat sich allerdings so ergeben, weil ich die Bienen eines verstorbenen Imkers abgelöst habe. Trotz all der Einsteiger Imkerkurse und meiner Fachliteratur über Bienen stehe ich anfangs oft vor den Bienenvölkern mit der Erkenntnis, dass Theorie und Praxis echt zwei Paar Schuhe sind, die manchmal nur im Außen ähnlich ausschauen. Hier ist es echt wertvoll, wenn du einen Imker deines Vertrauens hast, der dir mit Rat und Tat zur Seite steht, weil man mit der eigenen Erfahrung nicht mehr weiterweiß. Nach drei Jahren Bienenhaltung muss ich bittere Wahrheit erfahren, indem zwei Drittel der Völker an die Varroa mit den dazu verbundenen Infektionen verloren geht.
Was habe ich falsch gemacht, was habe ich übersehen, wo habe ich nachlässig gehandelt? Ganz gezielt hinterfrage ich mein Tun und mein Wissen über die Bienen und was noch dazu gehört und beschließe schlussendlich mein Wissen zu erweitern und mit der Facharbeiterausbildung zu vertiefen. Es macht mir Freude mich in biologischen Wissensbereichen zu bilden und sauge Wissen auf wie ein trockener Schwamm mit der Erkenntnis – je mehr man weiß, desto mehr weiß man, dass man nicht weiß! Wir sind auch nicht dazu gemacht unsere graue Masse im oberen Stübchen nicht zu gebrauchen! Deshalb habe ich nach einigen Jahren die Entscheidung getroffen auch die Meisterausbildung abzulegen. Es sind nicht nur die Erkenntnisse der Wissenschaft wichtig, es sind unsere eigenen die wir mit anderen teilen, um so wieder ein bisschen mehr vom großen Ganzen zu verstehen!
Bienen sind keine Haustiere, nicht domestiziert. Der Mensch macht sich die Bienen zunutze, in Behausungen, die er dafür bereitstellt und wie ein Bär mehrmals im Jahr den Honig stiehlt – grob gesagt, doch es entspricht der Wahrheit.
Imkerin zu sein, bedeutet Verantwortung zu tragen, dafür, dass man die bestmöglichen Bedingungen für das Wesen der Bienen schafft und dafür Sorge trägt, sie nach besten Möglichkeiten von diversen Belastungen fernzuhalten oder davon zu befreien. Honigbienen können z.B. wie der Mensch auch an Krankheiten leiden. Wir Imker können helfen diese mit dem nötigen Fachwissen zu behandeln. Was wir uns jedoch nicht anmaßen dürfen, ist, zu behaupten ohne uns würden die Bienen nicht überleben. Sie wären eben nur in einer ganz anderen Populationsgröße vorhanden und mancherorts vielleicht sogar fehlen.
Eine Anmerkung zum Schluss – Verantwortung der Natur gegenüber hat jeder einzelne von uns egal welchen Beruf er hat und welche Ausbildung der Mensch genossen hat – wir alle ernähren uns von ihr und Bienen leisten gemeinsam mit noch vielen anderen Insekten eine großartige Bestäubungsarbeit.





